Girls.Boys.Nature - BNE und Genderpädagogik

Jahresprojekt der Jugendbildungsstätte Windberg im Bereich "Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE)".

Modellprojekt 2015 und Basisprojekt 2016

BNE-Gender - Kurzinformationen zum Projekt

BNE-Gender - Kurzinformationen - Geschichte

Seit den 80er-Jahren bietet die Jugendbildungsstätte Veranstaltungen gezielt für Mädchen und Frauen an ("Mäfrei" und Mäfrei-Fortbildungen). Seit den 90er-Jahren bietet die Jugendbildungsstätte Veranstaltungen gezielt für Jungen und Männer an ("Bufrei" und Bufrei-Fortbildungen). Seit etwa dem Jahr 2000 fördert die Jugendbildungsstätte den Austausch der Erfahrungen zwischen Referentinnen für Mächenarbeit einerseits und Referenten für Jungenarbeit andererseits. Etwa zur selben Zeit verstärkte die Jugendbildungsstätte ihre Anstrengungen in der Umweltbildung und vervielfachte ihre Angebote, anfangs besonders für Grundschulen.

Gemeinsam mit den

  • Teilnehmer/innen unserer Projektveranstaltungen, mit den
  • ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen, die viele geschlechtsspezifische Seminare und viele Seminare in der Umweltbildung als Referent/innen für die Jugendbildungsstätte durchführen und mit Hilfe von
  • Expert/innen von außen

wollen wir uns in diesem Projekt der Frage widmen, wie Umweltbildung strukturiert sein muss, angeboten werden muss, damit sie sowohl den speziellen Bedürfnissen von Mädchen/Frauen gerecht wird, als auch den speziellen Bedürfnissen von Jungen/Männern entspricht.

Folgende Veranstaltungsarten sind im Projekt vorgesehen:

  • Fortbildungen für (künftige) Mitarbeiter/innen in der Umweltbildung
  • Fortbildungen für (künftige) Mitarbeiter/innen in der geschlechtsspezifischen Bildungsarbeit
  • Fortbildungen mit Teilnehmer/innen aus Umweltbildugn und Genderpädagogik
  • Bildungsseminare für Mädchen von 8-17 Jahren
  • Bildungsseminare für Jungen von 8-15 Jahren
  • Bildungsseminare für geschlechtsgemischte Kinder- und Jugendgruppen
  • Bildungsseminare für Schulklassen von 2. bis 7. Jahrgangsstufe aller Schularten

In den geschlechtsheterogenen Gruppen sollen Seminarteile bewusst geschlechtsspezifisch und geschlechtsheterogen durchgeführt werden.

Als Schlussergebnis des Projektes ist geplant, einen Handlungsleitfaden zu veröffentlichen, der methodisch und strukturell Hilfestellung in dieser Frage anbietet.

Im Gegensatz zu den BNE-Vorgängerprojekten "DonauEinFlüsse" und "BNE-Flut", die in Kooperation mit Umweltbildungseinrichtungen in Bayern vernetzt durchgeführt wurden, ist diesemal die Jugendbildungsstätte auf sich selbst gestellt. Mit den beiden Schwerpunkten Genderpädagogik und Umweltbildung hat die Jugendbildungsstätte Windberg in überregionalem Umkreis ein Alleinstellungsmerkmal. 

Die Ergebnisse sollen jedoch der Umweltbildung allgemein zugänglich gemacht werden. Mit folgenden Umweltbildungseinrichtungen vernetzt sich die Jugendbildungsstätte Windberg regelmäßig:

Im Projekt ist geplant

  1. ein Gender-Netzwerk von interessierten Multiplikator/innen zu gewinnen, zu aktivieren, zu informieren und auf Wunsch aktiv mit einzubeziehen,
  2. Wochenendfortbildungen zur Schulung von Referent/innen und Interessierten anbieten
  3. Bildungsseminare für Kinder und Jugendliche an Wochenenden und in den Sommerferien anzubieten
  4. die Ergebnisse des Projektes einfließen lassen in das Programm der dreitägigen Naturerlebnistage für Schulen und Klassen (Termine auf Anfrage) sowie ab Oktober
  5. das BNE-Gender-Projekt evaluieren und abschließen.

BNE-Gender - Was ist das?

BNE-Gender - Was ist das?

BNE:
BNE ist die Kurzform von "Bildung für Nachhaltige Entwicklung".
In der Umweltbildung weltweit geht man davon aus, das nicht nur der konkrete Schutz der Umwelt notwendig ist, sondern dass das gesamte Verhalten der Menschheit sich so verändern muss, dass Nachhaltigkeit als Prinzip des Menschseins verwirklicht wird. Dazu müssen die Kompetenzen der Menschen gezielt angeregt, entwickelt und gebildet werden. Jegliche Bildung, die sich diesem Prinzip verpflichtet fühlt ist Teil der Bildung für Nachhaltige Entwicklung.

Gender:
„Der Begriff Gender bezeichnet als Konzept die soziale, gesellschaftlich konstruierte oder psychologische Seite des Geschlechts einer Person im Unterschied zu ihrem biologischen Geschlecht (engl. sex). Der Begriff wurde aus dem Englischen übernommen, um auch im Deutschen eine Unterscheidung zwischen sozialem („gender“) und biologischem („sex“) Geschlecht treffen zu können, da das deutsche Wort Geschlecht in beiden Bedeutungen verwendet wird.“
(https://de.wikipedia.org/wiki/Gender; 12.12.2014)

Genderpädagogik:
Die Jugendbildungsstätte Windberg geht davon aus, dass auf Grund anderer Erwartungen an sie und damit anderer Sozialisationsbedingungen Mädchen andere Entwicklungshilfen als Jungen und Jungen andere Entwicklungshilfen als Mädchen benötigen. Diese Tatsache sich in der Pädagogik immer wieder bewusst zu machen und auch tatsächlich in gezielt für die jeweilige Zielgruppe (Jungen, Mädchen oder gemischten Gruppen) gestalteten Angeboten zu verwirklichen bezeichnen wir als Genderpädagogik.

Wir gehen davon aus, dass auch in der Umweltbildung - für Jungen andere oder anders gestaltete Angebote als für Mädchen und für Mädchen andere oder anders gestaltete Angebote als für Jungen vielversprechend und sinnvoll sind. Dieser Frage wollen wir in diesem Projekt nachgehen und am Ende einen Handlungsleitfaden dazu entwickeln.

BNE-Gender - Warum das Ganze?

BNE-Gender - Warum das Ganze?

Wer sich über länger Zeit mit Jungen und Mädchen, mit Männern und Frauen beschäftigt, bemerkt, dass ungeachtet der Individualität des einzelnen, Frauen tendenziell andere Bedürfnisse, andere Vorliebern als Männer und Männer andere Bedürfnisse und andere Vorlieben als Frauen haben.

Die allgemeine Pädagogik, auch die Umweltbildung, nimmt darauf keine Rücksicht und behandelt Jungen wie Mädchen, Männer wie Frauen.

Die Genderpädagogik demgegenüber geht davon aus, dass sich die Bildungsangebote auch entsprechend dem Geschlecht des Adressaten verändern müssen, um gezielt und nachhaltig wirksam sein zu können.

Diesen Zusammenhang näher zu beleuchten, zu ergründen, und auch praktisch handhabbar werden zu lassen, widmet sich dieses Projekt.

BNE-Gender - Was soll erreicht werden?

BNE-Gender - Was soll erreicht werden?

Ziele im Projekt (aus dem ausführlichen Projektantrag)

  • Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Umweltbildung werden sensibel für die Genderfrage und erarbeiten sich Methoden in der Umweltbildung speziell für Jungen und für Mädchen und auch speziell für geschlechtsheterogene Gruppen. Sie erschließen sich das Thema „Genderpädagogik“ in der Umweltbildung/BNE. Sie erhalten die Möglichkeit in verschiedenen Bildungsveranstaltungen diese Methoden unter Anleitung zu erproben und intensiv zu reflektieren.
  • Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Genderpädagogik werden zunehmend sensibel für die Thematik Umwelt, Nachhaltigkeit, Klimaschutz und erarbeiten sich Methoden in der Umweltbildung für geschlechtsspezifische und geschlechtsheterogene Gruppen. Sie erproben diese Methoden in verschiedenen Umweltbildungsseminaren mit Kindern und Jugendlichen.
  • Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Umweltbildung und in der Genderpädagogik erfahren eine methodische Erweiterung ihrer persönlichen Handlungsmöglichkeiten und auch Grenzen in der Umweltbildung. Das Geschlecht der Zielgruppe soll dabei handlungsleitend einbezogen werden.
  • Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Umweltbildung und in der Genderpädagogik erarbeiten sich eine angemessene Methodik zur geschlechtssensiblen Bildung für nachhaltige Entwicklung, wenden diese praktisch an und probieren neues Verhalten aus.
  • Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Umweltbildung und in der Genderpädagogik erproben handlungsorientiert Gendersensibilität in der BNE.
  • Mädchen und Jungen verschiedener Altersgruppen erarbeiten sich mit Hilfe geschulter Referentinnen und Referenten ein geschärftes Bewusstsein für nachhaltiges Handeln in Alltag, Schule und Beruf. Sie werden befähigt, dieses Bewusstsein in nachhaltiges Alltagshandeln umzusetzen. Neben den typischen Kompetenzen, die für nachhaltiges Umwelthandeln erforderlich sind, trainieren die Teilnehmer und Teilnehmerinnen diejenigen sozialen Kompetenzen, die es Ihnen ermöglichen, künftig im Alltag gemeinschaftlich nachhaltig tätig zu sein.
  • Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen aller Projektveranstaltungen erkennen über die Art und Weise der Vermittlung und über Vorbildhandlungen den Wert und Schutzbedürftigkeit der Natur.
  • Mädchen und Jungen bekommen ein „gesundes“ Selbstbild und Selbstbewusstsein im Rahmen von BNE vermittelt.
  • Mädchen und Jungen werden sensibilisiert für geeignete Vorbilder, die durch ihr Alltagsverhalten Nachhaltigkeit praktisch leben.
  • Mädchen und Jungen bekommen die Möglichkeit, sich die lokale Natur und Um-welt als Teil der wertvollen eigenen Freizeitgestaltung (wieder) zu erschließen.
  • Erarbeiten und Ausprobieren von bewährten und neuen Methoden und Handlungsansätzen in der Umweltbildung angesichts der Erkenntnisse in der Genderpädagogik.
  • Als Projektabschluss wird ein gendersensibler Handlungsleitfaden für die Umweltbildung entwickelt und veröffentlicht.

Die Mädchen und Jungen sollen also inhaltlich dahin geführt werden, langfristig nachhaltig zu denken und zu handeln. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen die lokale Umwelt und Natur als Ort der Rekreation wertschätzen lernen und dürfen auch sich selbst als Teil einer individuellen Umwelt wahrnehmen. Wichtig ist uns dabei, dass die Jugendlichen beim Thema „Umwelt“ nicht nur an - subjektiv gesehen - von ihrer Lebensumwelt weit entfernte Themen wie Klimaschutz oder Rettung des Regenwaldes denken, sondern auch die lokalen Parks oder Wälder, ja sogar den eigenen Garten, als Teil von Natur und Umwelt wahrnehmen und deren Ressourcen nutzen lernen. Mit Ressourcen sind dabei nicht nur materielle und konkrete Dinge gemeint, wie zum Beispiel angebaute Früchte oder Schatten spendende Bäume. Die Umwelt kann, besonders für Jugendliche, auch als Raum dienen und auf verschiedenste Weise genutzt werden, um in der aufregenden Zeit zwischen Kind- und Erwachsensein neue und interessante Erfahrungen zu machen. Diese Erkenntnis ist bei vielen Jugendlichen in Zeiten von neuen und sozialen Medien verloren gegangen. Sie ist aber ein wichtiger Grundstein der gesetzt werden sollte, da durch ein Verständnis der Bedeutung der lokalen Umwelt langfristig auch ein Verständnis für die globale Umwelt geschaffen werden kann. Zu etwas Besonderem macht diese Zielsetzung der genderspezifische Einfluss, der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ermutigen kann, im Hinblick auf die eigene Selbstverwirklichung und ohne Druck durch Rollenvorstellungen Umwelt in ihr Leben zu integrieren und wertschätzen zu lernen, um langfristig persönlich in ihrem Umfeld auch naturverträglich zu handeln. Im Hinblick auf das Thema Gender ist uns die geschlechtshomogene Aufteilung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer besonders wichtig. In diesem Rahmen kann vermieden werden, dass Bildungsinhalte und Erlebnisse durch genderbedingte Störfaktoren wie Rollenerwartung, soziale Erwünschtheit oder Gender Bias verfälscht werden. In gemischten Gruppen laufen ständig unterbewusst zahl-reiche Prozesse ab, die das Verhalten, und somit auch das Lernen, von Mädchen und Jungen beeinflussen. Dieser Einfluss kann sich mitunter auch negativ auf das Erlebte und Erlernte ausüben. Durch die Trennung der Geschlechter werden viele dieser Faktoren ausgeschaltet und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können sich freier auf die Inhalte einlassen. Auch in Bezug auf Referentinnen und Referenten ist dieses Konzept von Bedeutung, da auch sie nicht mehr von genannten Störfaktoren betroffen sind und sich besser auf die Teilnehmer und Teilnehmerinnen einlassen können. Eine große Rolle spielt auch das Selbstverständnis der Referenten und Referentinnen, die nicht nur als Aufsichts- und Lehrpersonen, sondern vor allem als Vorbild fungieren. Daher ist es wichtig, dass die Referenten und Referentinnen mit einem Repertoire an Methoden ausgestattet sind, das ihnen erlaubt mit Begeisterung und unter Einbringung der eigenen Persönlichkeit mitreißende Programme zu gestalten. Hier tritt der Gedanke von „jungen- oder mädchengerechten“ Methoden erst einmal in den Hintergrund, da ein breitgefächertes Angebot an Methoden und die große Anzahl an Referentinnen und Referenten mit unterschiedlichen Präferenzen Mädchen und Jungen auch dazu anregen können, auf den ersten Blick geschlechtsuntypische Rollen einzunehmen. Das Ausbrechen aus rollentypischen Verhaltensweisen kann einen wichtigen Beitrag zum Aufbau eines gesunden Selbstbildes und Selbstvertrauens beitragen und das Verständnis zwischen den Geschlechtern erleichtern. Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sollen befähigt werden, dies ihrerseits an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihrer Umweltbildungsmaßnahmen weiterzugeben. Zu diesem Zweck sind mehrere Fortbildungen geplant in welchen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von qualifizierten Referentinnen und Referenten auf den Gebieten BNE und Gender aus- und weitergebildet werden. Langfristig möchten wir aus den gewonnenen Erfahrungen des Projekts Methodensammlungen und Leitfäden entwickeln, die in zukünftigen Projekten und Veranstaltungen Verwendung finden können.


BNE-Gender - Welche Veranstaltungen sind geplant?

BNE-Gender - Wie kann ich mich beteiligen?