Geschichte der Umweltbildung in Windberg

Dieses Emaill-Schild ziert seit September 2015 alle staatlich anerkannten Umweltstationen in Bayern. Mit Datum vom 1.9.2015 sind 53 Umweltbildungseinrichtungen anerkannt. Die Rauten vom Schild stammen übrigens aus Windberg. Die Grafen von Windberg / Bogen gaben das Rautenwappen an die Wittelsbacher weiter. Von den Wittelsbachern übernahm es der Freistaat Bayern.

Bereits seit Beginn des Jugendhauses Windberg 1971 und dann mit Anerkennung dieses Jugendhauses als erste Jugendbildungsstätte in Bayern 1975 waren Natur und Umwelt immer wieder Thema von Veranstaltungen. Die Ausstellungen "Grün kaputt" und "Waldsterben" der Katholischen Landjugendbewegung in Bayern und Deutschland wurden in den siebziger und achtziger Jahren hier heiß diskutiert und von Politiker/innen unterstützt und bekämpft. Jahrzehnte später ist die damals angeprangerte Naturzerstörung nun Realität und kein Streitpunkt mehr. Die Tatsache aber, dass die Jugendbildungstätte am Ortsrand von Windberg mit unmittelbarem Kontakt zu Feld und Wald liegt, hat dafür gesorgt, dass Umweltbildung auch später immer wieder Teil von Seminarkonzepten war, auch wenn es nicht explizit so genannt wurde.

Um das Jahr 2000 weitete die Jugendbildungsstätte Windberg ihr Angebot an Umweltbildung enorm aus. Angeregt wurde dies von Heike Straßmeier, die in ihrem Studium zur Sozialpädagogin sowohl im Nationalpark Bayerischer Wald als anschließend auch in Windberg je ein halbes Jahr Praktikum absolvierte. Das Konzept des eintägigen Seminars "Abenteuer Umwelt - Wo der Hase lang läuft - Naturerlebnistage" je von 9-16 Uhr, vor allem für Grundschulklassen, stammt vor allem aus ihrer Feder. 

Parallel dazu erarbeiteten der damalige Leiter der Jugendbildungsstätte, Pater Patrick Beszynski (zugleich Imker), und der Bienenfachberater für Niederbayern am Amt für Landwirtschaft in Deggendorf, Erhard Härtel, ein Konzept für ein mehrtägiges Ferienseminar für Jugendliche zum Thema Bienen. Unter dem Titel "Coole Typen und tolle Bienen" wurden und werden die Jugendlichen eingeführt in die Welt der Bienen, in den Pfingstferien vor allem die vorbereitenden Arbeiten an den Bienenstöcken und in den Herbstferien die Abschlussarbeiten mit Honigernte. Mittlerweile reduzierte sich dieses Bildungs- und Erlebnis- Angebot auf Grund der Nachfrage auf ein Wochenende im Juli oder September.

Durch Zuarbeit der beiden hauptberuflichen Windberger Bildungsreferentinnen Diplompädagogin Petra Lecker und Diplompädagogin Waltraud Ankerl-Seethaler wurde das Angebot Naturerlebnistage für Grundschulklassen verfeinert, ausgebaut und sehr erfolgreich angeboten. In Kleingruppen von acht bis zehn Kindern wurden die Klassen durch die Biotope Wald, Gewässer (Bach und Teich) und Wiese/Insekten geführt. Wissenszuwachs und vor allem die Wertschätzung jeglicher Natur, ob in Windberg oder zu Hause vor der eigenen Haustür war vorrangiges Ziel.

Um das Jahr 2003/2004 wurde dann entschieden, dieses Naturerlebnis-Programm einerseits zeitlich auf drei Tage mit Übernachtungen auszuweiten und andererseits inhaltlich und methodisch auch der Zielgruppe der 5. bis 7. Klassen aller Schularten zu erschließen.  Eingefügt wurden die Abendaktionen naturnahe Abendwanderung, das Lagerfeuer, die Sternstunde im Weidenpavillon oder vor dem Hochaltar in der Kirche. Inhaltlich wurde vor allem der Bereich Wiese/Insekten ausgebaut. Fast jede Klasse baut seither in Kleingruppen von vier bis sechs Kindern je eine "Kinderstube für Wildbienen" (Insektenhotel) für den Schulgarten, wobei die Kinder in geschlechtshomogenen Gruppen mit Akkuschrauber, Bügelsäge, Hammer, Zange und sonstigem Werkzeug den Holzkasten zusammenbauen und die Füllung dafür herstellen und einbauen müssen. Viele Mädchen und manche Jungen erzählen uns dabei, dass sie bisher noch nie so Werkzeug benutzen durften. Ergänzend wird besonders bei den weiterführenden Schulen das optionale Zusatzangebot "Biotop Mensch - Sozialkompetenz-Übungen" gerne gebucht. 

Damit die Jugendbildungsstätte Windberg die große Nachfrage der Schulen an Naturerlebnisseminaren bedienen konnte, war sie auf vor allem studentische Referent/innen aus den Hochschulen und Universitäten Eichstätt, Regensburg, Landshut und Benediktbeuern angewiesen (Künftig freuen wir uns natürlich auch auf Student/innen aus Straubing und Deggendorf). Zu anderen Seminarkonzepten waren diese Student/innen bereits aktiv in Windberg. Inhalt, Methodik und wichtige Hintergrundinformation zu den Umweltbildungsangeboten lernten diese in eintägigen Schulungen bei Waltraud Ankerl-Seethaler.

Im Herbst 2009 wurden die Zuständigkeiten der hauptberuflichen Bildungsreferent/innen neu strukturiert. Mit Übernahme des Bereichs BNE (Bildung für Nachhaltige Entwicklung) und Umweltbildung erweiterte Franz-Xaver Geiger, nunmehr Beauftragter für BNE und Umweltbildung, die Eintages-Schulungen für Referent/innen auf ein Wochendseminar mit dem Titel "Fortbildung Naturerlebnis". Dazu wurde öffentlich eingeladen um die Umweltbildungs- und BNE-Kompetenz noch weiter in der Gesellschaft, in den Jugendorganisationen, Verbänden und Betrieben zu verankern.

Seit 2011 nun ist die Jugendbildungsstätte Windberg im Umweltbildungsnetzwerk Niederbayern aktiv und beteiligt sich am "Runden Tisch Umweltbildung Niederbayern". Auch in der Homepage "www.umweltbildung-niederbayern.de" ist sie vertreten und führt jährlich große Nachhaltigkeits-Jahresprojekte mit Hilfe der Förderung durch das Umweltministerium durch.

Wir freuen uns sehr, dass durch die Verleihung des Qualitätssiegels "Umweltbildung.Bayern.de" mit Wirkung zum 1.1.2014 uns nun mit der Anerkennung als Umweltstation zum 1. September 2015 große weitere Anerkennung und Werschätzung für unser bisherige und zukünftige Bildungsarbeit zu Teil wurde.

Franz-Xaver Geiger als Leiter, Frater Felix Biebl OPraem und Valentina Schmalhofer als Umweltbildungsreferent/innen arbeiteten ab 1. September bzw. 1. Oktober 2015 als pädagogische Mitarbeiter/innen der Umweltstation. Zum Herbst 2016 soll die Stelle der/des Umweltbildungsreferenten/in in Vollzeit möglichst mit einer/m Naturwissenschaftler/in besetzt werden. Wir danken der Kollegin Valentina Schmalhofer und P. Felix Biebl OPraem sehr für die wichtige Aufbauarbeit im ersten Jahr der Umweltstation.

Während in den Vorjahren und im ersten Jahr der Umweltstation ab September 2015 die Umweltbildungsarbeit sehr pädagogisch geprägt war, sollen künftig die Naturwisschenschaften mit ins Boot geholt werden.